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Einbruchschutz

Die sichere Tür. Wie aus Rahmen, Schloss und Beschlag ein einbruchhemmendes System wird

82.920 Wohnungseinbrüche zählte die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025. Das sind 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei 44,9 Prozent dieser Fälle blieb es beim Versuch. Fast jeder zweite Einbruch scheiterte. Der Grund ist selten die Polizeiarbeit. Der Grund ist die Tür.

Eine Tür ist nur so sicher wie ihr schwächstes Bauteil. Das Schloss kann gehärteter Stahl sein. Wenn das Schließblech mit zwei kurzen Schrauben im Holz sitzt, tritt der Einbrecher die Tür trotzdem auf. Wenn die Zarge nur in Bauschaum klemmt, drückt er Rahmen und Tür gemeinsam aus dem Mauerwerk.

Dieser Artikel zeigt das Gesamtbild. Welche Bauteile eine Tür sicher machen. Wie sie zusammenspielen. Wo die typischen Schwachstellen liegen. In welcher Reihenfolge die Polizei das Nachrüsten empfiehlt. Jeder Abschnitt verlinkt auf einen vertiefenden Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

Eine Tür ist nur so sicher wie ihr schwächstes Bauteil. Das beste Schloss bringt nichts, wenn die Zarge wackelt oder das Schließblech mit kurzen Schrauben sitzt.

Es gibt zwei Wege zur sicheren Tür. Entweder den Einbau einer zertifizierten RC 2-Tür ab Werk. Oder die fachgerechte Nachrüstung einer Standardtür mit Produkten nach DIN 18104. Beide Wege erreichen das gleiche Schutzniveau.

RC 2 ist die polizeiliche Mindestempfehlung für Privatwohnungen. Eine RC 2-Tür hält drei Minuten gegen Schraubendreher, Zange und Keil.

Vier Sicherheitskomponenten machen den Unterschied zwischen Standardtür und einbruchhemmender Tür. Mehrfachverriegelung, Schutzbeschlag, Sicherheitsschließblech und Bandseitensicherung.

Die drei Schichten einer sicheren Tür

Eine Tür durchläuft drei Schichten auf dem Weg zur Einbruchhemmung. Die Standardtür ist der Ausgangszustand. Die RC 2-Tür ab Werk ist die Idealversion. Die nachgerüstete Standardtür ist die praktische Alternative für den Bestand.

Schicht 1: Die Standardtür

Das hat jede normale Wohnungstür in Deutschland. Türblatt mit Zarge, zwei oder drei Türbänder, ein Einsteckschloss mit Schließzylinder, ein einfaches Schließblech in der Zarge, einen Türdrücker. Diese Komponenten erfüllen ihre tägliche Funktion. Sie halten die Tür im Rahmen, sie schließen die Wohnung ab. Gegen einen Aufhebelversuch mit einem Schraubendreher hält eine Standardtür jedoch oft weniger als eine Minute.

Schicht 2: Die RC 2-Tür ab Werk

Das ist die polizeiliche Mindestempfehlung für Privatwohnungen. Eine RC 2-Tür ist ein nach DIN EN 1627 geprüftes Komplettbauteil. Sie hat eine Mehrfachverriegelung mit Schwenkriegeln, einen Profilzylinder mit Aufbohrschutz, einen Schutzbeschlag mit Zylinderabdeckung, ein Sicherheitsschließblech im Mauerwerk verankert, eine Bandseitensicherung an den Türbändern. Bei Glaseinsätzen kommt P4A-Sicherheitsglas hinzu. Das ganze Bauteil hält drei Minuten gegen Schraubendreher, Zange und Keil. Diese Tür wird komplett gegen die Standardtür ausgetauscht.

Schicht 3: Die nachgerüstete Standardtür

Das ist die praktische Alternative, wenn ein Komplettaustausch nicht infrage kommt. Eine bestehende Standardtür kann mit nach DIN 18104 zertifizierten Nachrüstprodukten auf das Schutzniveau einer RC 2-Tür gebracht werden. Bei konsequenter Aufrüstung sogar darüber hinaus. Die nötigen Bauteile sind dieselben wie in Schicht 2. Mehrfachverriegelung statt einfachem Riegel. Profilzylinder mit Bohr- und Ziehschutz. Schutzbeschlag mit Zylinderabdeckung. Sicherheitsschließblech mit Verankerung im Mauerwerk. Bandseitensicherung. Optional ein Querriegelschloss als zusätzliche Schicht.

Schutzniveau und Zertifizierung sind nicht dasselbe

Vergleich RC 2-Tür ab Werk und nachgerüstete Standardtür mit gleichem Schutzniveau

Die RC-Klassifizierung gilt nach DIN EN 1627 ausschließlich für das geprüfte Komplettbauteil. Eine nachgerüstete Standardtür kann das Schutzniveau einer RC 2-Tür oder darüber hinaus erreichen, sie trägt aber keine offizielle RC-Plakette. Polizei und Versicherer akzeptieren die Nachrüstung trotzdem, sofern sie fachgerecht und mit DIN-18104-Produkten ausgeführt ist.

Wer Wert auf die Zertifizierung legt, muss komplett tauschen. Wer das Schutzniveau will, kann auch nachrüsten.

Wo Einbrecher tatsächlich angreifen

Aufhebeln ist der mit Abstand häufigste Modus beim Wohnungseinbruch. Das berichtet das Bundeskriminalamt seit Jahren konstant. Das Aufhebeln einer Tür konzentriert sich auf zwei Achsen. Die dritte Schwachstelle liegt im Türblatt selbst.

Achse 1: Die Schlossseite

Die Schlossseite ist die häufigste Angriffsstelle. Hier sitzen Einsteckschloss, Schließzylinder, Schutzbeschlag und das Schließblech in der Zarge. Der typische Angriff setzt mit einem Schraubendreher oder einer Brechstange am Türspalt zwischen Türblatt und Zarge an. Der Hebel drückt das Türblatt vom Rahmen weg, bis der Riegel aus dem Schließblech rutscht. Wie schnell das geht, hängt davon ab, wie gut Schloss, Schließblech, Beschlag und Zarge zusammenwirken.

Achse 2: Die Bandseite

Die Bandseite wird seltener angegriffen, weil Einbrecher zuerst die Schlossseite versuchen. Sie ist aber oft schlechter geschützt. Hier sitzen die Türbänder, die das Türblatt mit der Zarge verbinden. Der Angriff setzt mit einer Brechstange zwischen den Bändern an. Der Hebel drückt das Türblatt aus den Scharnieren. Bei Türen mit außenliegenden, ungesicherten Bändern sind das oft nur wenige Sekunden.

Sonderfall: Das Türblatt selbst

Türblatt mit Glaseinsatz als Angriffspunkt: Durchschlagen und Zugriff auf Drücker oder Schlüssel

Bei Vollholz und massiven Türblättern ist das Durchschlagen praktisch chancenlos. Bei dünnen Türblättern oder Türen mit großem Glasanteil sieht das anders aus. Der Einbrecher schlägt die Glasscheibe ein und greift durch die Öffnung an den Drücker oder den Schlüssel. Ohne entsprechende Sicherungen ist die Tür offen, ohne dass das Schloss überhaupt angegriffen wurde.

Widerstandsklassen RC 1 bis RC 6

Die DIN EN 1627:2021-11 ist die zentrale europäische Norm für Einbruchhemmung an Türen, Fenstern und ähnlichen Bauteilen. Sie definiert acht Widerstandsklassen, von RC 1 N bis RC 6. RC steht für Resistance Class. Die Klassifizierung beruht auf einem Prüfverfahren, bei dem die Tür mit definierten Werkzeugen über eine festgelegte Zeit angegriffen wird. Hält die Tür, ist sie in der Klasse zertifiziert. Hält sie nicht, fällt sie durch.

Die Werkzeug-Treppe

Jede Klasse hat einen eigenen Werkzeugsatz und eine eigene Widerstandszeit. Der Werkzeugsatz wird mit jeder Stufe schwerer. Die Widerstandszeit wird mit jeder Stufe länger. Die Klassen RC 1 N bis RC 3 decken den privaten Bereich ab. RC 4 bis RC 6 sind für den gewerblichen Bereich gedacht.

KlasseWiderstandszeitWerkzeugkategorietypische Anwendung
RC 1 Nnur körperliche GewaltInnentüren, hochliegende Fenster
RC 2 N3 Mineinfaches HebelwerkzeugPrivat, kein Sicherheitsglas erforderlich
RC 23 Mineinfaches HebelwerkzeugPrivat-Mindeststandard
RC 35 Minzusätzlich schweres Hebelwerkzeugerhöhter Privatbedarf
RC 410 MinSäge, Akkubohrer, SchlagaxtGewerbe
RC 515 MinElektrowerkzeugegefährdetes Gewerbe
RC 620 Minschwere ElektrowerkzeugeBanken, hohes Risiko

RC 1 N — körperliche Gewalt ohne Werkzeug

RC 1 N ist die niedrigste Klasse. Geprüft wird hier nur körperlicher Druck und Tritt, ohne jedes Werkzeug. Für Haus- und Wohnungseingangstüren ist diese Klasse nicht ausreichend. RC 1 N kommt im Privatbereich vor allem bei Innentüren oder hochliegenden Fenstern zum Einsatz, wo ein Hebelangriff praktisch nicht möglich ist. Die Polizei empfiehlt RC 1 N nicht für direkt zugängliche Außentüren.

RC 2 als Polizei-Mindeststandard

RC 2 ist die polizeiliche Mindestempfehlung für Privatwohnungen. Die Tür hält drei Minuten gegen einen Angriff mit Schraubendreher, Zange und Keil. Diese Werkzeuge entsprechen dem typischen Vorgehen eines Gelegenheitstäters. Drei Minuten klingt kurz, ist im Einbruchsalltag aber entscheidend. Die meisten Einbrecher brechen den Versuch nach zwei bis drei Minuten ab. Sie kalkulieren mit der Wahrscheinlichkeit, gestört zu werden.

Eine RC 2-Tür schreckt den typischen Gelegenheitstäter ab und lässt einen Großteil der Einbruchsversuche scheitern. Die PKS 2025 belegt das. Bei 44,9 Prozent aller Wohnungseinbrüche blieb es 2025 beim Versuch.

Die Variante mit N

Die Klassen RC 1 N, RC 2 N und RC 3 N stehen für Normalverglasung. Geprüft wird die Tür ohne die Anforderung an P4A-Sicherheitsglas. Die Variante mit N ist relevant, wenn die Verglasung anderweitig geschützt ist. Das gilt zum Beispiel bei einer Außentür mit zusätzlichem Gitter vor dem Glaseinsatz oder bei einem Fenster in einem oberen Geschoss ohne Aufstiegshilfe. Die Polizei empfiehlt RC 2 N als Alternative zu RC 2, wenn das Risiko-Profil es zulässt. Im Zweifel ist RC 2 die sicherere Wahl.

RC 3 für erhöhten Privatbedarf

RC 3 ist die nächste Stufe für den privaten Bereich. Eine RC 3-Tür hält fünf Minuten gegen einen Angriff mit zusätzlichem schweren Hebelwerkzeug, etwa einer Brechstange. Sinnvoll ist RC 3 bei freistehenden Häusern, abgelegenen Lagen oder besonders schützenswertem Inhalt. Versicherer können bei höheren Versicherungssummen oder bestimmten gewerblichen Nutzungen eine RC 3-Tür verlangen.

Wichtig ist, dass auch das Mauerwerk auf die höhere Belastung ausgelegt ist. Eine RC 3-Tür in einer dünnen Trockenbauwand verliert ihre Wirkung. Der Aufpreis gegenüber RC 2 ist überschaubar, weil die Komponenten ähnlich sind, nur dimensioniert für höhere Belastung.

RC 4 bis RC 6 im gewerblichen Bereich

RC 4 bis RC 6 werden im Privatbereich praktisch nicht eingesetzt. Sie sind für Banken, Apotheken mit Betäubungsmitteln, Botschaften, Rechenzentren oder vergleichbar exponierte Objekte gedacht. RC 4 testet zehn Minuten gegen Säge, Schlagaxt und Akkubohrer. RC 5 fünfzehn Minuten gegen Elektrowerkzeuge wie Bohrmaschine und Stichsäge. RC 6 zwanzig Minuten gegen schwere Elektrowerkzeuge wie den Trennschleifer. Diese Türen sind aber nur so stark wie die Wand, in die sie eingebaut sind. Eine RC 6-Tür in einer normalen Massivwand bringt nichts, weil der Einbrecher dann durch das Mauerwerk angreift. Wer RC 4 oder höher einbaut, plant Wand und Tür gemeinsam.

Was die RC-Klassifizierung nicht leistet

Geprüftes Komplettbauteil nach DIN EN 1627: Türblatt, Zarge, Schloss und Beschlag als gemeinsam zertifiziertes System

Die RC-Klasse zertifiziert ein konkretes Komplettbauteil. Türblatt, Zarge, Schloss und Beschlag werden gemeinsam geprüft, in der genauen Kombination, in der sie später eingebaut werden. Wer einzelne Bauteile austauscht, verändert das geprüfte System. Die Zertifizierung verfällt. Wer Bauteile gegen schwächere tauscht, verliert auch das Schutzniveau. Die Plakette gilt nicht für einen Beschlag oder einen Zylinder allein. Sie gilt nur für die Tür als Ganzes.

Das hat eine wichtige Konsequenz für die Nachrüstung. Eine Standardtür kann mit DIN-18104-Produkten faktisch das Schutzniveau einer RC 2-Tür erreichen. Sie trägt aber keine RC 2-Plakette. Schutzniveau und Zertifizierung sind nicht dasselbe.

Die Komponenten im Überblick

Die zwölf Komponenten einer sicheren Tür in drei Schichten: Standardtür, Sicherheitskomponenten und Zusatzsicherungen

Im Folgenden gehen wir die zwölf Komponenten einer sicheren Tür durch, gegliedert nach den drei Schichten. Schicht 1 sind die Bauteile, die jede Standardtür hat. Schicht 2 sind die Sicherheitskomponenten, die in einer RC 2-Werkstür integriert sind oder als Nachrüstung ergänzt werden. Schicht 3 sind die Zusatzsicherungen, die unabhängig von Schicht 1 und 2 angebracht werden können.

Schicht 1 — Die Komponenten der Standardtür

Diese fünf Bauteile hat jede normale Wohnungstür. Sie erfüllen ihre tägliche Funktion. Ihre Stabilität bestimmt, wie gut die Tür im Rahmen sitzt und wie schnell sie sich gegebenenfalls aufhebeln lässt.

Türblatt mit Zarge. Das Türblatt ist die Fläche, die sich öffnet und schließt. Die Zarge ist der Rahmen, der das Türblatt im Mauerwerk hält. Sicher ist diese Einheit nur dann, wenn die Zarge fest mit dem Mauerwerk verbunden ist. Maueranker oder Schwerlastdübel halten den Rahmen in der Wand. Die Falzluft zwischen Türblatt und Zarge sollte maximal fünf Millimeter betragen, idealerweise drei. Eine Zarge, die nur in Bauschaum klemmt, lässt sich mit einem Spreizwerkzeug in unter einer Minute aus der Wand drücken. Bei Türen mit Glaseinsatz kommt die Verglasung als zusätzlicher Faktor hinzu. Eine durchwurfhemmende P4A-Verglasung nach DIN EN 356 ist die polizeiliche Mindestempfehlung für RC 2. Mehr dazu im Artikel zur Türzarge.

Türbänder. Die Türbänder verbinden das Türblatt mit der Zarge. Sie bilden die Drehachse, um die sich die Tür öffnet und schließt. Eine normale Wohnungstür hat zwei oder drei Bänder, die das Gewicht des Türblatts tragen. Drei Bänder verteilen die Last besser und reduzieren den Druck auf die Befestigungsschrauben. Die Bänder selbst tragen nicht zur Einbruchhemmung bei. Bei einem Hebelangriff auf die Bandseite entscheidet eine zusätzliche Bandsicherung über die Stabilität. Diese kommt in Schicht 2 als Bandseitensicherung.

Einsteckschloss mit Schließzylinder. Das Einsteckschloss ist der mechanische Kern der Tür. Es sitzt im Türblatt und hält den Riegel, der ins Schließblech der Zarge greift. Genormt nach DIN 18251. Im Privatbereich empfiehlt die Polizei mindestens Klasse 4 oder 5 bei Einfachverriegelungen, mindestens Klasse 3 bei Mehrfachverriegelungen. Der Schließzylinder ist das Bauteil, das den Schlüssel aufnimmt und das Schloss bedient. Genormt nach DIN 18252 und DIN EN 1303 in den Klassen A, B, C und D. Klassen C und D bieten zusätzlich einen integrierten Ziehschutz. Die Polizei empfiehlt mindestens Klasse A, besser B. Mit zusätzlichem Ziehschutz mindestens C, besser D. Mehr dazu im Artikel zum Einsteckschloss.

Schließblech. Das Schließblech ist das Gegenstück zum Riegel. Es sitzt in der Zarge und nimmt den Riegel auf, wenn die Tür abgeschlossen ist. Bei einem einfachen Schließblech halten oft nur zwei kurze Schrauben das Blech am Holzrahmen. Wie stabil das gegen einen Hebelangriff ist, hängt von Schraubenlänge, Material und Verankerung ab. Eine verstärkte Variante kommt in Schicht 2 als Sicherheitsschließblech.

Türdrücker. Der Türdrücker ist das Bedienelement der Tür. Er bewegt die Falle, wenn man die Klinke nach unten drückt. Genormt nach DIN EN 1906. Ein Standard-Türdrücker ist nicht einbruchhemmend. Er kann mit einem Schraubendreher abgehebelt oder abgebrochen werden. Auch der Profilzylinder direkt darunter ist ohne Schutzbeschlag angreifbar. Der Schutz für beide Bauteile kommt in Schicht 2 mit dem Schutzbeschlag.

Schicht 2 — Die Sicherheitskomponenten

Diese vier Bauteile machen aus einer Standardtür eine einbruchhemmende Tür. In einer RC 2-Werkstür sind sie ab Werk integriert und aufeinander abgestimmt. Eine bestehende Standardtür kann mit ihnen nachgerüstet werden, vorausgesetzt die Substanz der Tür trägt das. Bei dünnen Türblättern oder schwacher Montage ist der Komplettaustausch oft die bessere Lösung.

Mehrfachverriegelung. Eine Mehrfachverriegelung ersetzt das einfache Einsteckschloss. Statt eines Riegels in der Mitte der Tür greifen drei oder fünf Sperrelemente in die Zarge. Sie sind über eine Stulpschiene mit dem Hauptschloss verbunden und werden mit einem Schlüsseldrehen alle gemeinsam betätigt. Der Hebeldruck eines Einbrechers wirkt nicht mehr nur an einer Stelle, sondern verteilt sich über mehrere Punkte. Das erschwert das Aufhebeln deutlich. Genormt nach DIN 18251. Die Polizei empfiehlt mindestens Klasse 3. Optimal sind Schwenkhaken statt einfacher Riegel. Mehr dazu im Artikel zur Mehrfachverriegelung.

Schutzbeschlag. Der Schutzbeschlag ist der Schild, der den Türdrücker und den Profilzylinder von außen abdeckt. Er besteht aus einem Außenschild und einem Innenschild, die durch das Türblatt fest miteinander verschraubt sind. Im Inneren steckt gehärteter Stahl, der das Schloss und den Zylinder gegen Aufbohren, Aufhebeln und Abreißen schützt. Eine zusätzliche Zylinderabdeckung verhindert das Ziehen des Profilzylinders mit einer Spezialglocke. Genormt nach DIN 18257 in den Einbruchschutzklassen ES 0, ES 1, ES 2 und ES 3. Die Polizei empfiehlt mindestens ES 1 für RC 2 und ES 2 für RC 3. Mehr dazu im Artikel zum Schutzbeschlag.

Sicherheitsschließblech. Ein Sicherheitsschließblech ersetzt das einfache Schließblech in der Zarge. Statt zwei kurzer Schrauben halten lange Schrauben das Blech direkt im Mauerwerk hinter der Zarge. Wirksam ist das Blech aber nur, wenn die Falzluft eingehalten wird. Mehr dazu im Artikel zum Sicherheitsschließblech.

Bandseitensicherung. Die Bandseitensicherung ist der konstruktive Schutz gegen einen Hebelangriff auf die Scharnierseite der Tür. Massive Stahlbolzen oder Hintergreifhaken am Türblatt greifen beim Schließen formschlüssig in passende Gegenstücke in der Zarge. Genormt nach DIN 18104 Teil 1 für aufschraubbare Bandsicherungen, nach Teil 2 für im Falz eingelassene Varianten. Mehr dazu im Artikel zur Bandseitensicherung.

Schicht 3 — Die Zusatzsicherungen

Diese drei Bauteile sind unabhängig wählbare Ergänzungen. Sie ersetzen keine Komponente aus Schicht 1 oder 2. Sie addieren eine eigene Funktion. Türspion zur Sichtkontrolle vor dem Öffnen. Türkette oder Sperrbügel für die kontrollierte Spaltöffnung. Querriegelschloss als zweite Verriegelung über die volle Türbreite.

Türspion. Der Türspion ist eine Linse im Türblatt, die den Blick nach außen ermöglicht, ohne die Tür zu öffnen. Er ist kein Schutz gegen einen Angriff, sondern ein Mittel, eine Tür gar nicht erst zu öffnen, wenn die Person draußen unbekannt ist. Mehr dazu im Artikel zum Türspion.

Türkette und Sperrbügel. Türkette und Sperrbügel sind Bauteile für die kontrollierte Spaltöffnung. Beide Bauteile sind Verhaltenssicherungen, keine Einbruchsicherungen im klassischen Sinn. Mehr dazu im Artikel zu Türkette oder Sperrbügel.

Querriegelschloss. Das Querriegelschloss, umgangssprachlich auch Panzerriegel genannt, geht über die volle Türbreite. Ein massiver Stahlriegel verriegelt die Tür gleichzeitig auf der Schloss- und der Bandseite. Das Querriegelschloss ist die wirksamste Nachrüstung für eine bestehende Tür mit schwacher Substanz. Mehr dazu im Artikel zum Panzerriegel.

Was eine Tür wirklich einbruchsicher macht

Eine Tür ist nur so sicher wie ihr schwächstes Bauteil. Diese Aussage zog sich durch den ganzen Artikel. Zum Schluss zeigt sich, was sie konkret bedeutet.

Eine sichere Tür ist immer ein System. Zwölf Komponenten in drei Schichten, die miteinander funktionieren müssen. Ein gehärteter Schließzylinder bringt nichts ohne Schutzbeschlag. Ein Schutzbeschlag bringt nichts ohne Sicherheitsschließblech. Ein Sicherheitsschließblech bringt nichts in einer Zarge, die nur in Bauschaum klemmt. Die Bauteile arbeiten zusammen oder gar nicht.

Das gilt auch für die fachgerechte Montage. Eine RC 2-Tür mit kurzen Schrauben verliert ihre Klassifizierung. Eine Bandseitensicherung im porösen Mauerwerk hält nicht. Ein Querriegelschloss ohne Maueranker reißt mit dem ersten Hebel aus der Wand. Wer Sicherheitstechnik einbaut, muss wissen, in welchen Untergrund er bohrt und wie tief er schraubt.

Das ist der Grund, warum die Polizei für Beratung und Montage ausschließlich anerkannte Fachbetriebe empfiehlt. Wer alles selbst macht, spart Geld und verliert Sicherheit.

Was die Polizei empfiehlt

Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes empfiehlt für Privatwohnungen einen klaren Stufenplan.

Mindeststandard ist die Widerstandsklasse RC 2 nach DIN EN 1627. Bei Neubau und Umbau wird eine zertifizierte RC 2-Tür empfohlen. Bei höherem Risiko, etwa bei freistehenden Häusern oder abgelegenen Lagen, ist RC 3 sinnvoll.

Bei bestehenden Türen empfiehlt die Polizei Nachrüstprodukte nach DIN 18104. Teil 1 für aufschraubbare Sicherungen, Teil 2 für falzeingelassene. Beide Varianten sind anerkannt und führen zu deutlicher Verbesserung des Einbruchschutzes, auch wenn die offizielle RC-Klassifizierung dabei nicht erreicht wird.

Erste Anlaufstelle ist die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle. Die Beratung ist kostenlos, neutral und nicht an Hersteller gebunden. Sie endet mit einer schriftlichen Empfehlung, welche Maßnahmen für die konkrete Wohnsituation sinnvoll sind.

In Stuttgart erreichen Sie die Beratungsstelle unter 0711 8990-1230. Die Beratung erfolgt entweder vor Ort oder im Polizeipräsidium. Termine werden telefonisch oder per E-Mail vereinbart.

Polizeilich anerkannte Fachbetriebe finden sich im Errichterverzeichnis der Polizei. In Baden-Württemberg auf der Seite des LKA, deutschlandweit auf k-einbruch.de.

Förderung und Recht

Bundesweit fördern KfW und BAFA Einbruchschutzmaßnahmen, regional kommen kommunale Zuschüsse hinzu. Die Lage 2026 hat sich verändert.

KfW-Kredit 159 Altersgerecht Umbauen. Zinsgünstiger Kredit bis 50.000 Euro, inklusive Maßnahmen für Einbruchschutz. Der Antrag muss vor Beginn der Arbeiten gestellt werden. Voraussetzung ist die Ausführung durch ein Fachunternehmen. Neue Türen ab RC 2 sowie Nachrüstprodukte nach DIN 18104 sind förderfähig.

KfW-Zuschuss 455-E ist endgültig eingestellt. Der frühere Bundeszuschuss für reinen Einbruchschutz ist seit 2022 nicht mehr verfügbar. Im April 2026 wurde der KfW-Investzuschuss 455-B reaktiviert, der Einbruchschutz als Teilmaßnahme im Rahmen altersgerechten Umbaus wieder fördert.

BAFA-Förderung für Türtausch. Im Rahmen der Bundesförderung effiziente Gebäude Einzelmaßnahmen werden energetisch hochwertige Haustüren bezuschusst, sofern sie auch RC 2 erfüllen.

Regionale Programme. Heidelberg zahlt im Rahmen der Wohnraumförderung eine Schlossprämie. Friedrichshafen fördert Sicherheitsbeschläge mit 50 Euro pro Flügel.

Steuerliche Absetzbarkeit. Handwerkerleistungen für Einbruchschutzmaßnahmen sind nach § 35a EStG mit 20 Prozent bis maximal 1.200 Euro pro Jahr absetzbar. Wichtig sind eine Rechnung mit getrenntem Material- und Arbeitsanteil und Bezahlung per Überweisung.

In welcher Reihenfolge nachrüsten

Wer eine Standardtür nachrüsten will, geht in vier Schritten vor. Die Polizei empfiehlt diese Reihenfolge, weil jeder Schritt auf dem vorherigen aufbaut.

Substanz prüfen. Bevor irgendetwas nachgerüstet wird, gehört die Tür auf den Prüfstand. Die Zarge muss fest im Mauerwerk sitzen, nicht nur in Bauschaum klemmen. Die Türbänder brauchen ausreichend lange Befestigungsschrauben. Die Falzluft sollte maximal fünf Millimeter betragen. Bei Holztüren empfiehlt die Polizei eine Vollholztür mit mindestens 40 Millimetern Stärke. Dünnere oder hohle Türblätter müssen verstärkt oder ausgetauscht werden. Ohne diese Substanz nutzen die teuersten Sicherheitskomponenten nichts.

Schloss und Beschlag aufrüsten. Das Einsteckschloss wird gegen eine Mehrfachverriegelung getauscht, wenn die Tür das technisch trägt. Der Schließzylinder gehört in der Klasse C oder besser D. Darüber kommt ein verdeckt verschraubter Schutzbeschlag der Klasse ES 1. Diese drei Bauteile arbeiten zusammen.

Schließblech und Bandseite verstärken. Das einfache Schließblech wird durch ein Sicherheitsschließblech ersetzt. Lange Schrauben verankern es im Mauerwerk hinter der Zarge. Auf der Bandseite kommen Hintergreifhaken oder Stahlbolzen. Eine Sicherung pro laufendem Meter Türhöhe.

Zusätzliche Sicherungen bei schwacher Türsubstanz: Querriegelschloss, Sperrbügel und Türspion

Optional ergänzen. Bei schwacher Substanz oder besonders exponierten Türen kommt zusätzlich ein Querriegelschloss. Wer die kontrollierte Spaltöffnung braucht, ergänzt einen Sperrbügel. Ein Türspion gehört bei jeder Wohnungstür dazu.

Wichtig ist, dass alle Schritte durch einen polizeilich anerkannten Fachbetrieb ausgeführt werden. Nur so erhält man die Förderung und die versicherungsrechtliche Anerkennung.

Häufige Fragen

Was ist eine sichere Tür?

Eine sichere Tür ist ein System aus mehreren aufeinander abgestimmten Bauteilen. Polizeilich empfohlener Mindeststandard für Privatwohnungen ist die Widerstandsklasse RC 2 nach DIN EN 1627. Eine RC 2-Tür hält drei Minuten gegen einen Angriff mit Schraubendreher, Zange und Keil. Das Schutzniveau lässt sich auch durch Nachrüstung einer Standardtür mit DIN-18104-Produkten erreichen.

Was ist eine RC 2-Tür?

Eine RC 2-Tür ist ein nach DIN EN 1627 geprüftes Komplettbauteil. Türblatt, Zarge, Schloss und Beschlag sind als System aufeinander abgestimmt und gemeinsam zertifiziert. Sie hält drei Minuten gegen einfache Hebelwerkzeuge. Die Polizei empfiehlt RC 2 als Mindeststandard für Privatwohnungen. Bei höherem Risiko ist RC 3 sinnvoll.

Reicht es, nur das Schloss auszutauschen?

Nein. Ein gehärteter Schließzylinder bringt nichts, wenn das Schließblech mit kurzen Schrauben in einer wackelnden Zarge sitzt. Die Tür ist ein System. Wer nur einzelne Bauteile austauscht, verschiebt das Problem auf das nächste Bauteil. Sinnvoll ist ein Schwachstellen-Check vor jeder Maßnahme. Den bekommen Sie kostenlos bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle.

Lohnt sich Nachrüsten oder lieber Tür austauschen?

Das hängt von der Substanz der bestehenden Tür ab. Eine massive Tür mit fester Zarge, stabilen Bändern und kleiner Falzluft lässt sich gut nachrüsten. Eine dünne Tür in einer Zarge, die nur in Bauschaum klemmt, wird durch Nachrüstung nicht besser. In diesem Fall ist der Komplettaustausch gegen eine RC 2-Tür ab Werk meist die wirtschaftlichere Lösung.

Was kostet eine sichere Tür ungefähr?

Die Kosten variieren stark je nach Ausgangslage und Anforderung. Eine zertifizierte RC 2-Tür ab Werk liegt in einer höheren vierstelligen Größenordnung. Eine fachgerechte Nachrüstung mit Mehrfachverriegelung, Schutzbeschlag, Sicherheitsschließblech und Bandseitensicherung liegt darunter. Verlässliche Zahlen ergeben sich erst aus einem konkreten Angebot eines polizeilich anerkannten Fachbetriebs.

Welche Förderung gibt es 2026?

Vom Bund gibt es nur noch einen zinsgünstigen KfW-Kredit (Programm 159, Altersgerecht Umbauen). Der reine Einbruchschutz-Zuschuss (KfW 455-E) ist eingestellt. Im April 2026 wurde der Investzuschuss 455-B reaktiviert. Im Rahmen der Bundesförderung effiziente Gebäude wird auch der Türtausch ab RC 2 bezuschusst. Heidelberg und Friedrichshafen zahlen kommunale Zuschüsse.

Was muss ich als Mieter beachten?

Bauliche Veränderungen an der Wohnungstür berühren das Eigentum des Vermieters. Das gilt schon für den Tausch des Zylinders. Holen Sie vor jeder Maßnahme die schriftliche Erlaubnis des Vermieters ein. Aufgeschraubte Zusatzsicherungen wie Querriegelschloss oder Sperrbügel sind meist unproblematisch, weil sie rückstandsfrei demontierbar sind. Beim Auszug stellen Sie den ursprünglichen Zustand wieder her.

Senkt eine sichere Tür die Versicherungsprämie?

Manche Hausratversicherer geben einen Rabatt für nachweislich einbruchhemmende Türen, etwa nach RC 2. Die Spannweite liegt typisch zwischen fünf und fünfzehn Prozent. Wichtiger ist aber, dass die Versicherung im Schadensfall überhaupt zahlt. Voraussetzung dafür ist, dass die Tür ordnungsgemäß abgeschlossen war. Eine nicht abgeschlossene Tür kann den Versicherungsschutz gefährden, unabhängig von der Widerstandsklasse.

So gehen Sie vor

Wer die eigene Wohnungstür ernsthaft sicherer machen will, geht in drei Schritten vor.

Termin bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle. In Stuttgart unter 0711 8990-1230. Die Beratung ist kostenlos, neutral und endet mit einer schriftlichen Empfehlung.

Schwachstellen-Check vor Ort durch einen polizeilich anerkannten Fachbetrieb. Das Ergebnis ist ein konkretes Angebot mit allen empfohlenen Maßnahmen.

Förderung prüfen und dann nachrüsten oder austauschen.

Wer in Stuttgart oder im Rems-Murr-Kreis akut ausgesperrt ist und gleichzeitig einen Schaden an der Sicherungstechnik hat, erreicht uns unter 0151 47249421. Jede Türöffnung 99 Euro Festpreis.

Quellen und weiterführende Literatur

Polizei und behördliche Empfehlungen

DIN-Normen und Norm-Erklärungen

Förderung und Recht

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